Entstehung
1200 bis 1300
1211 erfolgte die erste bekannte Erwähnung eines Ritters C. von Schalksburg am Hofe der Grafen von Veringen in Veringenstadt. 1262/1266 verkauften die Grafen von Veringen die Schalksburg an die Grafen von Zollern und Graf Friedrich von Zollern ließ auf der Schalksburg eine Urkunde ausstellen. Bei der 1288 erfolgten Erbteilung durch Graf Friedrich V., den Erlauchten, erhielt Friedrich, genannt der Ritter, die Herrschaft Zollern. Wahrscheinlich entstand damals die Herrschaft Schalksburg mit der Stadt Balingen als Verwaltungsmittelpunkt, der Feste Schalksburg und 17 weiteren Orten. Der letztgenannte Schalksburger Ministeriale, Burkhard von Schalksburg (1347–1385), bewohnte die Ortsburg von Streichen. Sein (Adoptiv?)Sohn Werner stand in württembergischen Diensten und nannte sich Werner von Rosenfeld. Er führte das Wappen der Herren von Schalksburg mit zweitürmiger Burg in rotem Schild fort.
1403 verkauften Graf Friedrich von Zollern-Schalksburg (V.) genannt Mülli und dessen Ehefrau Verena Gräfin von Kyburg nach dem Tod des einzigen Sohnes Friedrich (VI.) die Herrschaft Schalksburg mit der Stadt Balingen um 28.000 Gulden an Graf Eberhard III. von Württemberg (Hirschguldensage). 1458 verpfändete Graf Ulrich von Württemberg die Burg für 12.000 Gulden an Ulrich von Rechberg. Dieser verpflichtete sich, 100 Mann Besatzung zu halten und die Burg mit Wachen zu versehen. Im Zuge einer Auseinandersetzung zwischen Württemberg und Rechberg wurde die Schalksburg 1464 im württembergischen Auftrag von Graf Jos Niclas I. von Zollern belagert und zerstört. Eine Instandsetzung der Belagerungsschäden erfolgte durch die nun eingesetzten württembergischen Burgvögte. 1481 wurde die Burg an den württembergischen Landhofmeister Hans von Bubenhofen verpfändet und 1510/1511 durch Graf Eitelfriedrich II. von Zollern für 6.000 Gulden wieder von dem Bubenhofer eingelöst; für kurze Zeit war die Burg nochmals Wohnsitz des Sohnes Friedrich.
Im Bauernkrieg wurde die Schalksburg vermutlich von Dürrwanger Bauern geplündert und 1554 von Herzog Christoph von Württemberg wieder eingelöst. Fortan verfiel die Anlage und 1557 erfolgte der Abbruch der baufälligen Gebäude. Im Landbuch von 1624 wird die Schalksburg bereits als Ruine beschrieben: „Ein alt abgegangen Schloss, noch ziemlich viel Gemäuer, auch der Zwinger und Graben darum zu sehen“. In den Jahren 1957 bis 1960 erfolgte die Sicherung der verbliebenen Mauerreste und der Wiederaufbau des Bergfrieds durch den Schwäbischen Albverein (Aussichtsturm).
Ein schmaler, steiler und etwa 300 Meter langer Grat verbindet den markanten, eine recht große Siedlungsfläche bietenden Burgfelsen mit der Burgfelder Albhochfläche. Durch die Überbauung des nahezu gesamten Areals gehörte die Schalksburg zu den umfangreichsten Burgen der Schwäbischen Alb. Ihre Grundfläche einschließlich Vorwerken gleicht einem gleichschenkligen Dreieck mit abgeschnittener Südwestecke (größte Seitenlänge Nord circa 320 Meter, Grundlinie West circa 170 Meter). Steile Böschungen im Wechsel mit hohen Felsen begrenzen die zur Bebauung mögliche Fläche. Die Hangkante ist meist identisch mit der Umfassungsmauer (Reste), was einer Länge von circa 620 Metern entspricht.
Drei Bereiche bestimmen die Gesamtanlage: Die im Süden situierte auf einer Felskuppe gelegene Kernburg (1), der Burgbereich mit dem Bergfried als Frontturm (13) und die ostseitigen Vorbefestigungen zur Feldseite (16).
Vorbefestigungen
Der Bereich zwischen Bergfried und dem zum Albtrauf hinüberführenden Felsgrat umfasst ein etwa 120 Meter langes dreieckiges Gelände mit unterschiedlichen Befestigungsanlagen. Zwei Abschnittsgräben (15, 17) trennen diesen Bereich. Vermutlich wurden bereits vorhandene natürliche Felseinschnitte erweitert und einbezogen. Zwischen den Gräben und auch an der südlichen Bergkante weisen Schuttriegel mit Kernmauerwerk, kleinformatiges Bruchsteinmauerwerk der Umfassungsmauer und die Mauerschale eines Flankierungsturmes (20) auf massive Befestigungsbauwerke hin. Von der Vorbefestigung steigt das Gelände um etwa 18 Meter über eine vorgelagerte Berme (14) zum eigentlichen Burgniveau hinauf an.
Günter Schmitt
Burgbereich
Vermutet wird der ehemalige Burgzugang an der südlichen Bergflanke (11) entlang den Resten der Umfassungsmauer (21, 22). Markantester Bauteil der Ruine ist der teilrekonstruierte Bergfried (13). Er steht als Frontturm etwa in der Mitte der feldseitigen Geländekante und war bedeutender Bestandteil der Wehranlage. Original ist jedoch nur der etwa 3,50 Meter hohe Grundmauerbereich. Mit 7,52, 7,58, 7,48 und 7,38 Metern Seitenlängen ist er fast quadratisch. Die Mauerstärke am nachträglichen Eingang beträgt 2,57 Meter. Innen sind die Wände mit Kleinquadern, außen mit Quadern und Buckelquadern aus Kalkstein unterschiedlichster Größen verblendet. 1957 bis 1960 erhielt der Turm unter Verwendung von vorhandenem Steinmaterial seine heutige Höhe mit Aussichtsplattform.
Der hinter dem Bergfried anschließende ehemalige umfangreiche Burgbereich ist durch den starken Baumbewuchs etwas unübersichtlich. Schuttriegel von Kernmauerwerk (22) folgen der Hangkante und kennzeichnen den Verlauf der Umfassungsmauer. An der westlichsten Kante steht noch ein hoch aufragender Mauerrest eines ehemaligen runden Flankierungsturmes (9) mit etwa 6 Metern Durchmesser. Zwischen diesem und der Kernburg liegt eine breite Geländemulde (Trichter, 6), die im unteren Bereich durch eine Mauer mit Pforte (7) verschlossen war (Mauerreste Kernmauerwerk, Bruchsteinverblendung).
Innerhalb des ummauerten Bereiches lagen mehrere Bauwerke, die jedoch niemals den gesamten Raum einnahmen. Lokalisiert werden kann eine mittelalterliche Bebauung im südwestlichen Bereich (12) des Bergfrieds. Einige Gebäude in Holzbauweise zur Entstehungszeit und wenige Steinbauten im späten Mittelalter sind vorstellbar. Nach Quellen aus dem 16. Jahrhundert besaß die Burg Brunnen, Zisternen, eine Mahlmühle sowie eine Bäckerei.
Kernburg
Auf der zur Südseite aufsteigenden Kuppe lag die Kernburg (1) der Anlage. Steil abfallende hohe Felsen (5) sichern den Burgplatz und kennzeichnen die Schalksburg von der Eyach-Talseite über der Ortschaft Laufen. Ein verebneter, bogenförmig angelegter Graben (2) liegt vor der Kuppe. Er endet südöstlich am Steilhang und westlich am Geländetrichter (6). Vorhandene Schuttriegel von Kernmauerwerk innerhalb der begrenzten Fläche lassen massive Gebäude und Umwehrungen erkennen. Eine eindeutige Zuweisung von Bauwerken ist nicht mehr möglich.
(Dr. Christoph Morrissey)
Die hohe Dichte an Burgen, Schlössern und Ruinen im Zollernalbkreis steht in engem Zusammenhang mit der besonderen Landschaft des UNESCO Geopark Schwäbische Alb. Ihre Entstehung geht auf die geologische Entwicklung der Region zurück: mächtigen Kalksteinschichten aus der Jurazeit wurden durch Hebung und Erosion zu einer markanten Schichtstufenlandschaft mit Felsen, steilen Hängen und exponierten Anhöhen geformt.
Diese natürlichen Gegebenheiten boten ideale Voraussetzungen für den Burgenbau. Höhenlagen ermöglichten Schutz und Kontrolle zugleich: Steile Flanken erschwerten Angriffe, während die exponierte Lage weite Ausblicke über das Umland eröffnete. Burgen wurden daher gezielt auf Felsen, Bergspornen oder isolierten Kuppen errichtet – häufig in direkter Verbindung mit dem anstehenden Kalkstein.
Ein prägnantes Beispiel ist die Burg Hohenzollern, die weithin sichtbar auf dem Zollerberg thront. Als Zeugenberg dokumentiert er die frühere Ausdehnung der Albtafel nach Nordwesten. Auch zahlreiche weitere Anlagen im Zollernalbkreis nutzen die topografischen Vorteile der Alb und prägen bis heute das Landschaftsbild.
Die Burgenlandschaft ist damit Ausdruck des engen Zusammenspiels von Geologie und menschlicher Nutzung. Im UNESCO Global Geopark Schwäbische Alb wird dieser Zusammenhang besonders deutlich: Die charakteristischen Felsen und Höhenzüge sind nicht nur landschaftsprägend, sondern auch Grundlage einer jahrhundertealten Bau- und Siedlungsgeschichte.
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Karl Theodor Zingeler/Georg Buck, Zollerische Schloesser, Burgen und Burgruinen in Schwaben, Berlin 1906, Seite 43-51.
Der Landkreis Balingen, amtliche Kreisbeschreibung, Band 2 (Die Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg), Balingen 1961, Seite 453-455.
Volker Trugenberger, unter dem Stichwort Hohenzollern, in: Handbuch Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich, Band 15.IV, Grafen und Herren, Göttingen 2012, Seite 629-647, besonders 646-647.
Günter Schmitt, Burgen, Schlösser und Ruinen im Zollernalbkreis (Zollernalb-Profile Band 3, Schriftenreihe des Zollernalbkreises) Ostfildern 2007, Seite 49-56 (mit Plan).
Christoph Bizer, Oberflächenfunde von Burgen der Schwäbischen Alb, ein Beitrag zur Keramik- und Burgenforschung (Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg 26), Stuttgart 2006, Seite 182-188.
Andreas Zekorn/Peter Thaddäus Lang/Hans Schimpf-Reinhardt, Die Herrschaft Schalksburg zwischen Zollern und Württemberg, Epfendorf 2005, Seite 69-104.
Stefan Uhl, Die Burgen der Grafen von Zollern in der Herrschaft Schalksburg, in: Andreas Zekorn/Peter Thaddäus Lang/Hans Schimpf-Reinhardt, Die Herrschaft Schalksburg zwischen Zollern und Württemberg, Epfendorf 2005, Seite 139-186, besonders 143-158.
Christoph Morrissey, Alte Gräber, neue Daten: Die Kirche St. Michael in Burgfelden (Stadt Albstadt, Zollernalbkreis) und die Schalksburg, in: Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte (im Druck).
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1200 bis 1300
Ruine
Für Familien, Vergessene Burgen, Aussichtspunkte
frei zugänglich
Schalksburg - Laufen (Albstadt)
Georeferenzierung:
48.234555, 8.919937
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