Entstehung
1200 bis 1300
„Vor langen Zeiten standen auf dem Schalksberg und dem Hirschberg schöne Burgen, wie auf dem Zollern. Die drei Berge und die Burgen gehörten drei Brüdern. Das Schloß auf dem Hirschberg war das schönste, und der Bruder, der dort hauste, war der reichste; dem gehörte auch Balingen.“ So beginnt die Hirschguldensage bei Gustav Schwab. Fundierte schriftliche Nachweise zur Existenz der Burg fehlen jedoch gänzlich. Nachdem die Burg im Einzugsgebiet der Zollerngrafen lag, ist eine Verbindung zur Familie der Balinger Ministerialen denkbar, die um die Mitte des 13. Jahrhunderts nach Rottweil abwanderten. Aber auch die Herren von Schalksburg hatten in diesem Gebiet Besitzungen. Im bemerkenswerten Gegensatz zu der Sage lässt sich jedenfalls Burg Hirschberg als einfache, mit vergleichsweise geringem Aufwand errichtete Burg, offenbar ohne größere Steingebäude und Mauern, umschreiben. Sie war nur wenige Jahrzehnte bewohnt: In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts dürfte aufgefundenen Keramikscherben zufolge die Burg errichtet worden sein, in der zweiten Hälfte ist sie allem Anschein nach schon wieder aufgegeben und verlassen worden. 1378 verkauften der Edelknecht Bertold von Balgheim und seine Frau Beth von Schalksburg ihren Teil (Wald) an Hirschberg und Schachen für 100 Gulden an die Stadt Balingen. Um die gleiche Zeit herum verkaufte auch Bürkli von Schalksburg ihren Teil an Balingen.
Am Ende eines langen, nach Nordwesten gerichteten Höhensporns trennt ein um 15 Meter breiter, um 4 Meter tiefer, am Südwesthang abgewinkelter Graben (3) die Burgstelle von der Bergseite. Südwestseitig begleitet ein niedriger Erdwall (10) den flacher werdenden Graben an der Hangkante. Der hinter dem Graben verbleibende Bereich wird durch einen in rund 70 Metern Entfernung folgenden, um 6 Meter tiefen und bis 20 Meter breiten Abschnittsgraben (4) in Vorburg (2) und Kernburg (1) getrennt. Beide Teilbereiche weisen keine erkennbaren Bebauungsspuren und randliche Befestigung auf. Den abgerundeten Bergrücken mit der 55 Meter langen und am Außengraben gut 25 Meter breiten Vorburg begrenzen der ganz offenbar abgeböschte (versteilte) nordöstliche und der flachere südwestliche Hang.
Günter Schmitt
Die Grundfläche der Kernburg am Ende des Sporns umfasst ein abgerundetes Rechteck von etwa 50 Metern Länge und 15 Metern Breite. Knapp hinter dem Graben zeigt sich eine flache Erhöhung, möglicherweise der Schutt eines Gebäudes. Dann trennt eine 1 bis 1,50 Meter hohe Geländestufe die Kernburg in zwei Ebenen. In der talseitigen (unteren) Ebene befindet sich mittig eine 8 Meter breite und bis zu einem Meter tiefe Mulde, wahrscheinlich ist diese bei einer Grabung der frühen 1950er Jahre entstanden (6). Die hier gefundenen wenigen Reste von Wandlehm könnten aus dem Gefache eines Fachwerkbaus stammen. Die geborgenen Keramikscherben belegen immerhin einen Kachelofen und die Existenz der Burg in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts.
Am Spornende, etwa 8 Meter unter Burgniveau, beginnt eine 2 bis 5 Meter breite Hangterrasse (5), die den Sporn vermutlich einst umschloss (8). An der nordwestlichen Spitze ist diese leicht eingesenkt und zeigt einen flachen Außenwall (7). Gut 20 Höhenmeter darunter liegt wiederum eine knapp 50 Meter breite Mulde mit einer fast 10 Meter breiten Terrasse im Hang. Sie wirkt abgeböscht, ist aber wahrscheinlich doch auf natürliche Weise durch Rutschung entstanden. Die Terrasse lässt sich angesichts der fehlenden Zugangssicherung kaum als Zwinger deuten.
(Dr. Christoph Morrissey)
Die hohe Dichte an Burgen, Schlössern und Ruinen im Zollernalbkreis steht in engem Zusammenhang mit der besonderen Landschaft des UNESCO Geopark Schwäbische Alb. Ihre Entstehung geht auf die geologische Entwicklung der Region zurück: mächtigen Kalksteinschichten aus der Jurazeit wurden durch Hebung und Erosion zu einer markanten Schichtstufenlandschaft mit Felsen, steilen Hängen und exponierten Anhöhen geformt.
Diese natürlichen Gegebenheiten boten ideale Voraussetzungen für den Burgenbau. Höhenlagen ermöglichten Schutz und Kontrolle zugleich: Steile Flanken erschwerten Angriffe, während die exponierte Lage weite Ausblicke über das Umland eröffnete. Burgen wurden daher gezielt auf Felsen, Bergspornen oder isolierten Kuppen errichtet – häufig in direkter Verbindung mit dem anstehenden Kalkstein.
Ein prägnantes Beispiel ist die Burg Hohenzollern, die weithin sichtbar auf dem Zollerberg thront. Als Zeugenberg dokumentiert er die frühere Ausdehnung der Albtafel nach Nordwesten. Auch zahlreiche weitere Anlagen im Zollernalbkreis nutzen die topografischen Vorteile der Alb und prägen bis heute das Landschaftsbild.
Die Burgenlandschaft ist damit Ausdruck des engen Zusammenspiels von Geologie und menschlicher Nutzung. Im UNESCO Global Geopark Schwäbische Alb wird dieser Zusammenhang besonders deutlich: Die charakteristischen Felsen und Höhenzüge sind nicht nur landschaftsprägend, sondern auch Grundlage einer jahrhundertealten Bau- und Siedlungsgeschichte.
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Günter Schmitt, Burgenführer Schwäbische Alb, Band 5 Westalb, Biberach 1993, Seite 333-338.
Stefan Uhl, Die Burgen der Grafen von Zollern in der Herrschaft Schalksburg, in: Andreas Zekorn/Peter Thaddäus Lang/Hans Schimpf-Reinhardt, Die Herrschaft Schalksburg zwischen Zollern und Württemberg, Epfendorf 2005, Seite 139-186, besonders 140-142.
Christoph Bizer, Oberflächenfunde von Burgen der Schwäbischen Alb, ein Beitrag zur Keramik- und Burgenforschung (Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg 26), Stuttgart 2006, Seite 208-209.
Günter Schmitt, Burgen, Schlösser und Ruinen im Zollernalbkreis (Zollernalb-Profile Band 3, Schriftenreihe des Zollernalbkreises) Ostfildern 2007, Seite 97-100 (mit Plan).
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1200 bis 1300
Abgegangene Burgen
Vergessene Burgen
frei zugänglich
Hirschberg - Heselwangen (Balingen)
Georeferenzierung:
48.263581, 8.890625
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