Hohenmelchingen

Melchingen (Burladingen) Landkreis Zollernalbkreis Schwäbische Alb 825 Meter Höhe
Die Burg Hohenmelchingen mit umfangreich erhaltenen Bauresten liegt 500 Meter südöstlich der Kirche von Melchingen rund 110 Meter über dem Laucherttal. Zwei wesentliche Bauphasen können unterschieden werden: Die Zeit ab der Mitte des 12. Jahrhunderts, als auf einem Felskopf ein Wehrturm (Bergfried) in Kleinquaderbauweise und ein kleines Wohngebäude entstanden, sowie die nachstaufische Zeit zwischen etwa 1250 und 1400 mit den wesentlichen Erweiterungsbauten und der Umfassungsmauer. Die Erstnennung der Burg erfolgte 1344. 1580 wird sie als „Burgstall“ bezeichnet und wurde 1592 auf einer Karte bereits als Ruine eingezeichnet. Nördlich der Melchinger Kirche führt vom Ortsrand ein Wanderweg direkt am Talhang zur frei zugänglichen Burgruine (Wegweiser des Schwäbischen Albvereins mit dem Wegzeichen: Raute).
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Im Jahre 1254 war Burchard von Melchingen Zeuge für Graf Ulrich von Württemberg und Heinrich von Fürstenberg. Ein „Adilbertus clericus de Malichingin“ (Adilbert, Geistlicher aus Melchingen) wurde aber schon in der Chronik des 1089 gegründeten Klosters Zwiefalten erwähnt. Vermutlich gehörte er zur Familie der Ministerialen von Melchingen, die stammes- und wappengleich mit den Herren von Hölnstein und Lichtenstein waren. Sie standen in Diensten der Grafen von Achalm beziehungsweise später deren Rechtsnachfolgern, den Grafen von Württemberg. Jüngere Familienzweige nannten sich von Wurmlingen, Steinhülben und Hustneck. Im 14. Jahrhundert standen die Melchinger als Reiterführer in Diensten italienischer Städte. Im 15. Jahrhundert gaben sie allmählich ihre adlige Existenz auf und verkauften ihre Grundherrschaft. 1439 verkaufte Hans von Melchingen seinen Teil der Burg, das halbe Vorderhaus, den hinteren Stock, ein Drittel des Dorfes, Gericht, Zwing und Bann, alle Güter und Grundstücke mit Leuten und Rechten an die Grafen von Werdenberg.

Ein Teil der letzten bekannten Familienmitglieder wurde bürgerlich, ein anderer Teil trat in den Johanniterorden ein und bekleidete dort hohe Ämter; 1504 starb das letzte bekannte Mitglied der Familie der Melchinger. Das Dorf kam im 16. Jahrhundert in die Herrschaft Trochtelfingen, die 1534 über Erbgang an das Haus Fürstenberg gelangte.

Die Burganlage steht rund 110 Meter über dem Laucherttal an der nord-süd-gerichteten Talkante, beginnt mit der Bebauung auf der Hochfläche und ist am Westhang terrassiert. Der bogenförmig angelegte Wall (8) mit Graben (7) folgt diesen Gegebenheiten. Er umfasst eine zu schützende Fläche von etwa 65 mal 100 Metern. Die Umfassungsmauer folgt polygonal abgekantet dem Graben vor der südlichen Hangseite (11). 2017 ergaben sich Hinweise darauf, dass auch hier Gebäude angebaut waren (Pfefferkorn). Insbesondere die Westmauer ist teils ungewöhnlich schmal und weist Schlitzfenster auf. Auf der Nordseite geht diese bündig in der Mauer des sogenannten Hinterhauses (4) auf. Der Zugang zur Burganlage erfolgte ab 1250 über den untersten Bereich der Anlage auf der Nordseite (15). Ein Torzwinger (14) führt hier an der talseitigen Umfassungsmauer entlang zum unteren Burghof (13). Ursprünglich gab es eine Verbindung von hier zum mittleren Burghof (28) und über eine Treppe (10) zum oberen Burghof (5). Diesen umschließen das Hinterhaus (4), Badstubenhaus (3), Bergfried (1) und Vorderhaus (2).

Plan der Burg Hohenmelchingen (Günter Schmitt und Wilfried Pfefferkorn).
© Kreisarchiv Zollernalbkreis, Günter Schmitt, Wilfried Pfefferkorn, Alle Rechte vorbehalten

Günter Schmitt

Das sogenannte Hinterhaus ist vermutlich das jüngste und mit seinen Ausmaßen von 11,70 mal 29 Metern zugleich das größte Bauwerk. Ost-, Nord- und Westseite stehen noch bis zu 7 Meter hoch. Balkenlöcher und Absätze zeigen die Geschosseinteilung. Das Erdgeschoss besitzt an den Längsseiten Lichtscharten. Reste eines 2,4 Meter breiten Tores zeigen die giebelseitige Erschließung vom Burghof aus. Vermutlich diente es zu landwirtschaftlichen Zwecken.

Der Bergfried in der Mitte der Anlage steht auf einem Felskopf (1). Er entstammt der Erstanlage und ist mit seiner Kleinquaderverblendung als frühestes Bauwerk der Burg Hohenmelchingen anzusehen. Ursprünglich als Frontturm zur Feldseite erbaut, wurde er in der zweiten Bauphase zum zentralen Bauwerk. Seine Seitenlängen betragen 5,7, 4,7, 5,5 und 5,0 Meter. Durch die Wandstärken von etwa 2 Metern ergibt sich ein winziger und jedenfalls nicht zu Wohnzwecken genutzter Innenraum von nur 1 auf 1,9 Metern. Reste von angrenzendem Mauerwerk weisen auf ein bauzeitlich zum Bergfried gehörendes Gebäude, das in der zweiten Bauphase verändert und in die Neubauten einbezogen wurde.

Auf der Ebene des mittleren Burghofes, mit der nördlichen Umfassungsmauer identisch und an den ostseitigen Felsen angebaut, steht das Badstubenhaus. Seine Grundfläche beträgt 10 mal 14,20 Meter. Im Wesentlichen stehen noch die Mauern des Erd- und des gestaffelten Untergeschosses. Zwei Portale zeigen abgeschrägte Tuffquaderlaibungen. Bereits 1451 wird es als baufällig bezeichnet.

Auffälligstes und am besten erhaltenes Bauwerk ist das sogenannte Vorderhaus (2) mit unregelmäßig fünfeckigem Grundriss. Seine Außenmauern ragen am mittleren Burghof aufgebaut noch über dreieinhalb Geschosse hoch über das Gelände und werden über ein Rundbogenportal von der Nordseite erschlossen. Die unteren Geschosse zeigen Schlitzfenster, die oberen breite Lichtfenster. Einzelne Räume waren mit verzierten Bodenfliesen aufwändig ausgestattet. Auf der gegenüberliegenden Seite erreicht man durch eine Pforte den südlichen Zwinger (27). Unmittelbar hinter der Pforte beginnt der Abgang zum Keller mit flachem Tonnengewölbe. Die östliche Rückwand von Erd- und Obergeschoss ist am Felsen integriert.

(Dr. Christoph Morrissey)

Logo Geopark Schwäbische Alb.
© Geopark Schwäbische Alb, Alle Rechte vorbehalten

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Der Rundwanderweg 3. Burgruine - Windräder ist nur eine von vielen Wanderungen in Melchingen.

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Theodor Zingeler/Wilhelm Friedrich Laur, Die Bau- und Kunst-Denkmaeler in den Hohenzollern'schen Landen, Stuttgart 1896, Seite 21-24.

Karl Theodor Zingeler/Georg Buck, Zollerische Schloesser, Burgen und Burgruinen in Schwaben, Berlin 1906, Seite 116-120 (mit Plan).

Friedrich Hossfeld/Willy Baur (Bearbeiter), Kreis Hechingen (Die Kunstdenkmäler Hohenzollerns 1), Hechingen 1939, Seite 237-243.

Egon Viesel, Die Burgruine von Melchingen, in: Melchinger Heimatbuch, herausgegeben von der Gemeinde Melchingen, Melchingen 1972, Seite 48.

Johann Adam Kraus, Hölnstein-Melchingen-Lichtenstein, in: Hohenzollerische Heimat 32 (1982), Seite 27-28.

Christoph Bizer, Oberflächenfunde von Burgen der Schwäbischen Alb, ein Beitrag zur Keramik- und Burgenforschung (Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg 26), Stuttgart 2006, Seite 243-247.

Günter Schmitt, Burgen, Schlösser und Ruinen im Zollernalbkreis (Zollernalb-Profile Band 3, Schriftenreihe des Zollernalbkreises) Ostfildern 2007, Seite 140-145 (Plan).

Wilfried Pfefferkorn, Die Burgruine Melchingen auf der Schwäbischen Alb, in: Burgen und Schlösser 51/1 (2010), Seite 4-16.

Wilfried Pfefferkorn, in: Burgen und Schlösser 58/2 (2017), Seite 2-5.

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Weitere Informationen erhalten Sie beim Standesamt der Stadt Burladingen.

Entstehung

1000 bis 1200

Erhaltung

Ruine

Empfehlung

Vergessene Burgen, Highlights, Für Familien, Aussichtspunkte

Besichtigung

frei zugänglich

Karte & Anreise

Anfahrtsbeschreibung

Hohenmelchingen - Melchingen (Burladingen)

Georeferenzierung:
48.355138, 9.153821

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