Stauffenberg

Stein (Hechingen) Landkreis Zollernalbkreis Südwestliches Albvorland/Gäulandschaften 470 Meter Höhe
Die frei zugängliche Burgstelle Stauffenberg liegt zwei Kilometer westlich der Kirche von Hechingen-Stein an einer Hangkante über der Einmündung des Zimmerbaches in die Starzel. Der markante und von einem tiefen Graben klammerförmig umgebene Burghügel weist auf seinem kleinen Plateau undeutliche Reste eines größeren Gebäudes auf. Bekannt ist die Familie der Stauffenberger vor allem durch den Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der 1944 hingerichtet wurde. Zu erreichen ist die Burgstelle vom Parkplatz an der Landstraße 410 zwischen Stein und Rangendingen über den Stauffenburger Hof. Unmittelbar dahinter führt ein Forstweg über den Zimmerbach nach rechts zur Burgstelle hinauf (Wegweiser des Schwäbischen Albvereins mit dem Wegzeichen: Kreuz).

Die im 13. Jahrhundert erbaute Burg gelangte wahrscheinlich über die Heirat von Baldebert II. (1197–1255) mit einer Wersteiner Tochter an die Herren von Bisingen, Truchsessen der Grafen von Zollern. Die Abstammung der Stauffenberger kann jedenfalls auf die Truchsessen von Stoufenberg als Seitenlinie der Herren von Bisingen zurückgeführt werden. Es ist ebenso möglich, dass eine Verbindung der Schenken von Zell zu denen von Stoufenberg und dann zu denen von Zell zu Stauffenberg bestand. Das Ende der Baldebert’schen Linie war mit der letztmaligen Erwähnung Truchsess Hiltpolts im Jahr 1291 erreicht. Burg Stauffenberg kam wahrscheinlich über Hiltpolts Schwester an die Herren von Salmendingen. Danach kam die Burg an die seit 1255 nachgewiesenen Schenken von Zell (Hechingen-Boll, Zollernalbkreis). Ab 1282 ist die Linie der Schenken von Andeck (Mössingen-Talheim, Kreis Tübingen) belegt. Ab 1317 nannten sich die Schenken von Zell dann Schenken von Stauffenberg. 1380 besaßen Markward von Ow und Hans Schenk von Stauffenberg Anteile an Hof und Burg. 1446 soll die Burg unbewohnt gewesen sein. Im Jahre 1486 veräußerte dann Hans Schenk von Stauffenberg seine Zollern’schen und Hohenberg’schen Lehen in Stauffenberg an seinen Schwager Jörg von Ow zu Hirrlingen (Kreis Tübingen). 1531 kam der Burgstall von Klaus von Grafeneck an die Grafen von Zollern.

Nach der Aufgabe ihrer Stammburg verzweigte sich die Familie der Stauffenberger 1471 durch den Erwerb von Wilflingen (zwischen Riedlingen und Sigmaringen gelegen), 1566 durch den Erwerb von Amerdingen auf der Ostalb und 1613 durch den Erwerb von Rißtissen (zwischen Ulm und Ehingen gelegen). Später kamen Lautlingen mit dem bekannten dortigen Schloss und Margrethausen sowie Geislingen hinzu.

1984 wurde aus Trümmern, die bei einem Erdbeben auf der Burg Hohenzollern anfielen, eine Gedenkstätte für die Vorfahren der Familie der Schenken von Stauffenberg auf deren namengebender Stammburg errichtet.

Steil über der Einmündung des Zimmerbaches in die Starzel liegt an der Bergecke rund 40 Meter hoch über dem Tal die Burgstelle Stauffenberg. Der Forstweg (18) führt an der nordöstlichen Bergkante durch einen Teil des ehemaligen Burgbereiches und durchschneidet das Gelände. Äußerst markant umzieht ein tief eingeschnittener, U-förmiger Ringgraben (B) die Kernburg. Dessen Grabenauswurf (17) reicht weit in das Hanggelände. Seine größte Abmessung erreicht der Graben an der südwestlichen Ecke mit 19 Metern Breite und 18 Metern Tiefe.

Zur Bergseite liegt nach außen ein teilweise verebnetes, wahrscheinlich älteres Wall-Graben-System vor dem Ringgraben. Der äußere Wall (16) führt bis zur nordöstlichen Hangkante und endet mit dem Grabenauswurf. Der vom Ringgraben und den Hangkanten begrenzte, ehemals wohl größere Kernburgbereich (A) ragt noch 12 Meter über den Forstweg und den hangseitigen Burgbereich hinauf. Seine verebnete und ehemals bebaute Oberfläche ist polygonal und misst etwa 11mal 21 Meter. Schuttriegel von Kernmauerwerk weisen auf ein mögliches rechteckiges Gebäude, das die gesamte Länge der Kernburg überdeckte. Zur Südostseite liegt etwa 4 Meter tiefer eine dreieckförmige, 9 Meter lange und 4 Meter breite Hangterrasse, die befestigt war. Im Mauerschutt befinden sich hammerrecht bearbeitete Quader. Die Nordostseite des ehemals vielleicht fast quadratischen Burghügels scheint abgegraben zu sein, wahrscheinlich wurden hier in jüngerer Zeit Bausteine geholt.

Plan der Burg Stauffenberg (Günter Schmitt).
© Kreisarchiv Zollernalbkreis, Günter Schmitt, Alle Rechte vorbehalten

Günter Schmitt

Ein Kreuz mit Marienstatue und die Gedenkwand mit zwei Bronzetafeln erinnern an die namensgebende Stammburg der Schenken von Stauffenberg. Der Stauffenburger Hof am Fuß des Burgplatzes ist der ehemalige Wirtschaftshof der Burg. Die vermauerten Quader an der Scheune dieses Hofes lassen eine Zweitverwendung aus dem Baumaterial der Burg vermuten.

(Dr. Christoph Morrissey)

Logo Geopark Schwäbische Alb.
© Geopark Schwäbische Alb, Alle Rechte vorbehalten

Die hohe Dichte an Burgen, Schlössern und Ruinen im Zollernalbkreis steht in engem Zusammenhang mit der besonderen Landschaft des UNESCO Geopark Schwäbische Alb. Ihre Entstehung geht auf die geologische Entwicklung der Region zurück: mächtigen Kalksteinschichten aus der Jurazeit wurden durch Hebung und Erosion zu einer markanten Schichtstufenlandschaft mit Felsen, steilen Hängen und exponierten Anhöhen geformt.

Diese natürlichen Gegebenheiten boten ideale Voraussetzungen für den Burgenbau. Höhenlagen ermöglichten Schutz und Kontrolle zugleich: Steile Flanken erschwerten Angriffe, während die exponierte Lage weite Ausblicke über das Umland eröffnete. Burgen wurden daher gezielt auf Felsen, Bergspornen oder isolierten Kuppen errichtet – häufig in direkter Verbindung mit dem anstehenden Kalkstein.

Ein prägnantes Beispiel ist die Burg Hohenzollern, die weithin sichtbar auf dem Zollerberg thront. Als Zeugenberg dokumentiert er die frühere Ausdehnung der Albtafel nach Nordwesten.  Auch zahlreiche weitere Anlagen im Zollernalbkreis nutzen die topografischen Vorteile der Alb und prägen bis heute das Landschaftsbild.

Die Burgenlandschaft ist damit Ausdruck des engen Zusammenspiels von Geologie und menschlicher Nutzung. Im UNESCO Global Geopark Schwäbische Alb wird dieser Zusammenhang besonders deutlich: Die charakteristischen Felsen und Höhenzüge sind nicht nur landschaftsprägend, sondern auch Grundlage einer jahrhundertealten Bau- und Siedlungsgeschichte.

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Das Stauffenberg-Schloss in Albstadt-Lautlingen beherbergt die Stauffenberg-Gedenkstätte und erinnert an Claus Schenk Graf von Stauffenberg sowie den Widerstand gegen das NS-Regime.

Theodor Zingeler/Wilhelm Friedrich Laur, Die Bau- und Kunst-Denkmaeler in den Hohenzollern'schen Landen, Stuttgart 1896, Seite 174.

Karl Theodor Zingeler/Georg Buck, Zollerische Schloesser, Burgen und Burgruinen in Schwaben, Berlin 1906, Seite 126-127.

Friedrich Hossfeld/Willy Baur (Bearbeiter), Kreis Hechingen (Die Kunstdenkmäler Hohenzollerns 1), Hechingen 1939, Seite 150-205, besonders 151-152, 276-278.

Johann Adam Kraus, Wo stand die alte Burg Stauffenberg?, in: Hohenzollerische Heimat 4 (1954), Seite 57.

Gerd Wunder, Die Schenken von Stauffenberg, eine Familiengeschichte (Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde 11), Stuttgart 1972, besonders Seite 28-36.

Günter Schmitt, Burgen, Schlösser und Ruinen im Zollernalbkreis (Zollernalb-Profile Band 3, Schriftenreihe des Zollernalbkreises) Ostfildern 2007, Seite 261-265 (Plan).

Sören Frommer: Burgstall Ror, Die Geschichte einer Truchsessenburg in bewegter Zeit. Heimatverein Bisingen-Steinhofen 2015, Seite 114-115.

Helmut Lorenz/Andreas Zekorn (Herausgeber), Schätze am Wegesrand, Kleindenkmale im Zollernalbkreis (Zollernalb-Profile Reihe Band 4), Ostfildern 2019, Seite 175-177.

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Entstehung

1200 bis 1300

Erhaltung

Abgegangene Burgen

Empfehlung

Vergessene Burgen

Besichtigung

frei zugänglich

Karte & Anreise

Anfahrtsbeschreibung

Stauffenberg - Hechingen

Georeferenzierung:
48.372075, 8.915093

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