Entstehung
1200 bis 1300
Die Kenntnis von einer bislang unbekannten Burgstelle im Gewann Reute geht auf eine Fundmeldung von 2022 zurück. Bau und Zerstörung sind sehr wahrscheinlich im Kontext der Auseinandersetzungen zwischen den Grafen von Zollern und den Grafen von Hohenberg beziehungsweise der kriegerischen Auseinandersetzungen innerhalb des schwäbischen Adels zu sehen. Der aktuelle Befund einer nur wenig ausgebauten und nicht lange genutzten Burg stimmt mit der schriftlichen Überlieferung überein. In einer Urkunde vom 16. Juli 1255 heißt es, dass der spätere Ritter Walger von Bisingen, sein Vater Baldebert und sein Bruder „vor längerer Zeit“ – also wahrscheinlich im frühen 13. Jahrhundert – eine Burg in Roßwangen erbaut haben. Diese Angabe wurde bislang mit dem benachbarten Burgbühl in Verbindung gebracht, auf dem jedoch keine Burg nachweisbar ist. Wörtlich heißt es in der Urkunde: „Nachdem aber später die vorher genannte Burg zerstört wurde und nachdem mein Vater gestorben war …“. Sie dürfte demnach um 1220/1230 durch Baldebert I. gemeinsam mit seinen Söhnen errichtet und wenig später in einer Fehde zwischen den Hohenbergern und den Zollern auf Betreiben der Hohenberger wieder zerstört worden sein. Die Zerstörung könnte schon 1235, vielleicht aber auch erst 1246/1249 erfolgt sein. Eventuell könnte verbrannter Wandlehm von einer Zerstörung etwaiger Holz- oder Fachwerkgebäude herrühren. Dass bislang keine Fundstücke geborgen werden konnten, spricht ebenfalls für eine nur temporär und kurzfristig bewohnte Burg.
Die Anlage liegt auf einem nach Nordosten führenden, langgezogenen und teils recht schmalen Hangausläufer an der Nordseite des Plettenberges, etwa 1,3 Kilometer südwestlich der Kirche und etwa 140 Meter höher als der Ort, auf rund 750 Meter über Normalnull. Der Vorsprung mit dem Burgstall ragt recht steil und markant aus dem Talraum empor.
Die Burgstelle liegt auf einem etwas verbreiterten Geländeabsatz. Zwischen zwei Quergräben im Abstand von etwa 60 Metern (2/4) erstreckt sich der Burgplatz (3). Das Gelände steigt dazwischen um etwa 13 Meter an. Ebene Flächen finden sich auf dem Bergrücken also quasi nicht. Der Burgplatz selbst liegt zwar in sehr aussichtsreicher und exponierter Lage, aber eigentlich doch strategisch ungünstig im Hang: Zumindest von oben her (um 10 Meter höheres Gelände) ist er prinzipiell leicht zu beschießen beziehungsweise anzugreifen (8). Vom Tal herauf erfolgte die Zufahrt zur Burgstelle über den Scheitel des Bergrückens (7) und endet an einer kleinen Verebnung (5). Von der Höhe herunter könnte ein möglicher Zugang am ehesten am Osthang an der Hangkante gelegen haben, dort ist der Graben recht flach und im Außenbereich eine natürliche Terrasse vorhanden.
Bergseitig sichert ein knapp 55 Meter langer Halsgraben die Burgstelle (2); er ist gegen die Außenseite (bergwärts) bis zu 9 Meter tief und gut 2 bis 3,5 Meter gegen die Innenseite tief. Der talseitige, gut 25 Meter lange Graben ist bis um 4,5 Meter gegen die Innenseite und 1,5 bis 2 Meter gegen die Außenseite tief. Die Gesamtlänge der Burgstelle zwischen den Gräben beträgt um die 55 Meter, die Größe der Innenfläche circa 0,2 Hektar. Beide Gräben zeigen bei den Wegedurchbrüchen jeweils einen recht breiten Wegedamm, der über die Sohle führt.
Christoph Morrissey, Rosalia Dietz
Der sehr kleine Burghügel (1) misst insgesamt etwa 15 mal 10 Meter. Die planierte Fläche, die für ein Gebäude in Frage kommt (Plateau), ist nur um 4 mal 6 Meter groß. Er ist um die 2 Meter hoch abgeböscht und schließt an den bergseitigen Halsgraben an. Das Plateau zeigt bergseits über dem Halsgraben an dessen Oberkante einen flachen Erdwall, circa einen halben Meter hoch. Es zeigen sich nirgends größere Steine, mit Mauern ist auch hier nicht zu rechnen. Eine Schicht mit verbrannten Lehmbrocken weist auf ein verbranntes Holzgebäude mit Lehmgefache hin. Als Befestigungen sind aufgrund fehlender Hinweise auf Mauern eigentlich nur Zaun oder Palisade denkbar, dafür sind jedoch zwei recht mächtige Gräben vorhanden.
Talseits des Burghügels folgt auf rund 30 Meter Länge bis zum unteren Graben eine nur kleine Fläche (3), die auf dem breit verrundeten Bergrücken wenig Raum bietet. Anzeichen für Bauten oder Befestigungen gleich welcher Art finden sich hier nicht.
(Dr. Christoph Morrissey)
Die hohe Dichte an Burgen, Schlössern und Ruinen im Zollernalbkreis steht in engem Zusammenhang mit der besonderen Landschaft des UNESCO Geopark Schwäbische Alb. Ihre Entstehung geht auf die geologische Entwicklung der Region zurück: mächtigen Kalksteinschichten aus der Jurazeit wurden durch Hebung und Erosion zu einer markanten Schichtstufenlandschaft mit Felsen, steilen Hängen und exponierten Anhöhen geformt.
Diese natürlichen Gegebenheiten boten ideale Voraussetzungen für den Burgenbau. Höhenlagen ermöglichten Schutz und Kontrolle zugleich: Steile Flanken erschwerten Angriffe, während die exponierte Lage weite Ausblicke über das Umland eröffnete. Burgen wurden daher gezielt auf Felsen, Bergspornen oder isolierten Kuppen errichtet – häufig in direkter Verbindung mit dem anstehenden Kalkstein.
Ein prägnantes Beispiel ist die Burg Hohenzollern, die weithin sichtbar auf dem Zollerberg thront. Als Zeugenberg dokumentiert er die frühere Ausdehnung der Albtafel nach Nordwesten. Auch zahlreiche weitere Anlagen im Zollernalbkreis nutzen die topografischen Vorteile der Alb und prägen bis heute das Landschaftsbild.
Die Burgenlandschaft ist damit Ausdruck des engen Zusammenspiels von Geologie und menschlicher Nutzung. Im UNESCO Global Geopark Schwäbische Alb wird dieser Zusammenhang besonders deutlich: Die charakteristischen Felsen und Höhenzüge sind nicht nur landschaftsprägend, sondern auch Grundlage einer jahrhundertealten Bau- und Siedlungsgeschichte.
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Casimir Bumiller, Die Herren von Bisingen, in: 1200 Jahre Bisingen: 786–1986, Bisingen 1987, Seite 24-34.
Christoph Morrissey, Eine neu entdeckte Burgstelle: der Burgstall in der Reute bei Roßwangen (Stadt Balingen), Zollernalbkreis, in: Heimatkundliche Blätter Zollernalb 70/9 (2023), Seite 2341-2344.
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1200 bis 1300
Abgegangene Burgen
Vergessene Burgen
frei zugänglich
Roßwangen - Roßwangen (Balingen)
Georeferenzierung:
48.2256500, 8.819500
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