Leckstein / Lägstein

Gauselfingen (Burladingen) Landkreis Zollernalbkreis Schwäbische Alb 785 Meter Höhe
Nur 500 Meter von der Kirche in Gauselfingen entfernt liegt auf einer Hangterrasse über dem Fehlatal die frei zugängliche Burgruine Leckstein. Die kleine Anlage auf einem Felsplateau über dem Fehlatal steht möglicherweise mit den Herren von Lichtenstein in Verbindung. Von der Bundesstraße 32 zweigt in der Ortsmitte von Gauselfingen die Lange Gasse über die Fehla in westlicher Richtung ab (Wegweiser des Schwäbischen Albvereins mit dem Wegzeichen: Dreieck). Sie führt zu einer großen Kehre mit der Einmündung eines Forstwegs (Parkmöglichkeit). Man geht von hier zunächst 100 Meter an der Straße bergwärts, dann der Hinweistafel folgend den Weg im Wald hoch zur Ruine.

Leckstein gehört wie die benachbarte Burgruine Hasenfratz zu den Adelssitzen, von denen bisher weder der Bauherr noch deren Bewohner nachgewiesen werden konnten. Selbst der Burgenname ist eine jüngere Bezeichnung: Die Burgruine wird seit dem 16. Jahrhundert mit Lägstein, Lechstein und Reckstein bezeichnet. Möglicherweise besteht auch ein Zusammenhang mit den Herren von Lichtenstein, die auf den südlich im Fehlatal gelegenen Burgen Vorder- und Hinterlichtenstein saßen. Später war sie Teil der Herrschaft Holnstein, die um die Mitte des 15. Jahrhunderts unterging. Anzeichen dafür sind modelgleiche Bodenfliesen, die sich sowohl auf Burg Leckstein wie auch auf Burg Holnstein fanden.

Die Burg entstand aufgefundenen Keramikscherben zufolge wohl in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Um 1250/1300 erfolgte vermutlich der Neubau des Wohnturmes mit nordwestlichem Anbau. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde die Burg wohl als Wohnsitz aufgegeben und erstmals 1544 als Leckstein in einer Grenzbeschreibung erwähnt.

Die kleine Burganlage liegt auf einer Hangterrasse auf einem steilwandig aufragenden Felsen über dem Fehlatal nur rund 350 Meter südöstlich von Hasenfraz. Eine 10 Meter breite und etwa 45 Meter lange, künstlich erweiterte Felskluft (6) bildet den bogenförmigen Halsgraben. Zur Westseite weist der Fels einen höhlenartigen, bis zu 4 Meter tiefen Überhang auf. Vor dem Halsgraben zur Bergseite hin, gibt es eine größere ebene Fläche, über die ein moderner Forstweg führt. Trotz fehlender Bebauungsspuren kann hier eine kleine Vorburg (8) angenommen werden.

Der zwischen Graben und Felsabsturz gelegene Bereich der Kernburg (1) umfasst eine Grundfläche von insgesamt etwa 12 mal 24 Metern. Den darin tiefer liegenden östlichen Burgbereich mit dem vermutlichen Burghof (4) umzog eine Umfassungsmauer. Reste von Schuttriegeln mit Kernmauerwerk und Verblendungen mit grob hammerrecht bearbeitetem Kleinquadermauerwerk folgen den äußeren Felskanten (5). Auf dem westlich erhöht liegenden Abschnitt stehen noch die Mauerreste eines Wohnturmes (2) mit nördlichem Anbau (3). Beide sind Bestandteil der Ringmauer. Sie wurden im Verband vermauert und sind somit offenbar gleichzeitig entstanden. Der Wohnturm stand an der engsten Stelle des Grabens und war das zentrale Wohn- und Schutzbauwerk der Burganlage. Mauerwerk und Kernmauerreste ergeben einen fast quadratischen Grundriss von etwa 8 mal 8,20 Metern. Von der Nordwand steht noch eine circa 1,2 Meter starke Wand mit 6 Metern Höhe. Balkenlöcher zeigen die Einteilung in drei Geschosse. Gegen den Anbau sind die Geschosse versetzt, was auf unterschiedliche und nicht zusammenhängende Ebenen verweist. Das Mauerwerk besteht aus lagerhaften, grob bearbeiteten Kalkbruchsteinen. Im Sockelbereich finden sich quaderartige Formate, teilweise mit bossenartigen Ausbildungen. Die Art der Bearbeitung des Mauerwerks lässt eine Entstehung im 13. Jahrhundert vermuten.

Plan der Burg Leckstein (Günter Schmitt).
© Kreisarchiv Zollernalbkreis, Günter Schmitt, Alle Rechte vorbehalten

Günter Schmitt

Der nördliche Anbau folgt zwischen Turm und Ringmauer dem Verlauf der Felskante und bildet dadurch einen unregelmäßigen Grundriss. Er umfasst einen Innenraum von 5,76 Metern Länge und 4,15 Metern maximaler Breite. Auffallend ist ein erhaltenes Schartenfenster in der talseitigen Außenwand (13 mal 110 Zentimeter). Bauzeitlich scheint der Wohnturm mit Anbau später zu sein als die Keramikfunde aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Eine erste Bauphase ist deshalb auch mit Holzbauten vorstellbar.

(Dr. Christoph Morrissey)

Logo Geopark Schwäbische Alb.
© Geopark Schwäbische Alb, Alle Rechte vorbehalten

Die hohe Dichte an Burgen, Schlössern und Ruinen im Zollernalbkreis steht in engem Zusammenhang mit der besonderen Landschaft des UNESCO Geopark Schwäbische Alb. Ihre Entstehung geht auf die geologische Entwicklung der Region zurück: mächtigen Kalksteinschichten aus der Jurazeit wurden durch Hebung und Erosion zu einer markanten Schichtstufenlandschaft mit Felsen, steilen Hängen und exponierten Anhöhen geformt.

Diese natürlichen Gegebenheiten boten ideale Voraussetzungen für den Burgenbau. Höhenlagen ermöglichten Schutz und Kontrolle zugleich: Steile Flanken erschwerten Angriffe, während die exponierte Lage weite Ausblicke über das Umland eröffnete. Burgen wurden daher gezielt auf Felsen, Bergspornen oder isolierten Kuppen errichtet – häufig in direkter Verbindung mit dem anstehenden Kalkstein.

Ein prägnantes Beispiel ist die Burg Hohenzollern, die weithin sichtbar auf dem Zollerberg thront. Als Zeugenberg dokumentiert er die frühere Ausdehnung der Albtafel nach Nordwesten.  Auch zahlreiche weitere Anlagen im Zollernalbkreis nutzen die topografischen Vorteile der Alb und prägen bis heute das Landschaftsbild.

Die Burgenlandschaft ist damit Ausdruck des engen Zusammenspiels von Geologie und menschlicher Nutzung. Im UNESCO Global Geopark Schwäbische Alb wird dieser Zusammenhang besonders deutlich: Die charakteristischen Felsen und Höhenzüge sind nicht nur landschaftsprägend, sondern auch Grundlage einer jahrhundertealten Bau- und Siedlungsgeschichte.

Begeben Sie sich auf Erkundungsreise zu den schönsten Wegen, Burgen und Geschichten im Zollernalbkreis.
Entdecken Sie viele weitere Angebote zum Wandern auf der Zollernalb und zum Radfahren auf der Zollernalb.

Die Stadt Burladingen präsentiert die schönsten Ausflugsziele in und rund um Burladingen.

Johann Adam Kraus, Burgruinen an der Fehla. Die Trümmer auf dem Hausener Kapf. Die Burladinger Burgen Schlößle, Lockstein und Burg Hasenfratz. Das alte Schloß unter Neufra, in: Blätter Schwäbischer Albverein 45 (1933), Seite 10-15.

Johann Adam Kraus, Zu Burladinger Burgen. Kapfburg, Schirmberg, Lägstein, in: Hohenzollerische Heimat 32/3 (1982), Seite 40.

Friedrich Hossfeld/Willy Baur (Bearbeiter), Kreis Hechingen (Die Kunstdenkmäler Hohenzollerns 1), Hechingen, 1939, Seite 82-84.

Stefan Uhl, Die Burgruinen Vorder- und Hinterlichtenstein. Leckstein und Hasenfratz, in: Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte 23 (1987), Seite 187-216, besonders 203-208.

Christoph Bizer, Oberflächenfunde von Burgen der Schwäbischen Alb, ein Beitrag zur Keramik- und Burgenforschung (Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg 26), Stuttgart 2006, Seite 230-234.

Günter Schmitt, Burgen, Schlösser und Ruinen im Zollernalbkreis (Zollernalb-Profile Band 3, Schriftenreihe des Zollernalbkreises) Ostfildern 2007, Seite 132-135 (Plan).

Wenn Sie tiefer in die Geschichte der Region und des Zollernalbkreises eintauchen möchten, eröffnen die Heimatkundliche Vereinigung Zollernalb sowie der Hohenzollerische Geschichtsverein durch Vorträge und Exkursionen fundierte Einblicke in historische Zusammenhänge.

Zugleich bieten die Heimatkundliche Vereinigung Zollernalb und der Hohenzollerische Geschichtsverein die Möglichkeit, aktiv an der Bewahrung des kulturellen Erbes unserer Heimat mitzuwirken.

Entstehung

1000 bis 1200

Erhaltung

Ruine

Empfehlung

Highlights, Für Familien

Besichtigung

frei zugänglich

Karte & Anreise

Anfahrtsbeschreibung

Leckstein - Gauselfingen (Burladingen)

Georeferenzierung:
48.273985, 9.159333

Google Maps   OpenStreetMap   Apple Maps

Die Fahrplanauskunft des Verkehrsverbunds naldo unterstützt Sie bei Planung ihrer Anreise mit dem öffentlichen Nahverkehr.

Das naldo Freizeit-Netz bietet am Wochenende einige spezielle Verbindungen für Fahrradfahrer (kostenlose Fahrradmitnahme) und Wanderer.