Entstehung
1200 bis 1300
Die Gründer der vermutlich in den Jahrzehnten um 1200 entstandenen Hainburg, auch Haimburg oder Homburg genannt, sind nicht nachgewiesen. Eine Ableitung des Burgnamens von Hagenburg wird vermutet. 1225 nannte sich jedenfalls ein Ministerialengeschlecht im Umfeld von Grosselfingen/Weilheim „von Hagenbach“. 1244 ist ein „Bertoldo dicto Hainburc“ (Bertold genannt Hainburg) Mitglied einer Villinger Familie, womit die Burg wohl erstmals indirekt nachgewiesen ist. Interessanterweise ist die Grablege der Bewohner der Hainburg die gut ein Kilometer entfernte romanische Weilerkirche bei Owingen im Eyachtal.
Im Jahre 1344 wurde Graf Friedrich von Zollern als Besitzer der Hainburg bezeichnet: „der Alte, dessen die Hainburg ist“. 1360 war Graf Friedrich von Zollern der Ältere, ehemals Viztum von Augsburg, Herr „in castro Hainburg“. Im Jahre 1362 erhielt Graf Friedrich VIII. Schwarzgraf bei der Erbteilung unter anderem den Besitz Hainburg, Grosselfingen, Owingen und Stetten bei Haigerloch. Nach dem Tod von Graf Friedrich VIII. erbte 1379 seine Witwe Adelheid von Hohenberg-Nagold den Besitz Hainburg. 1387 war dann Burkhard von Reischach Pfandinhaber und nannte sich zu Hainburg und Grosselfingen. Konrad von Bubenhofen erwarb 1418 die Ortschaft Grosselfingen und die Hainburg, 1420 errichtete er ein Schloss am sogenannten Marktplatz in Grosselfingen, 1438 gehörte ihm dann die ganze Herrschaft: Der Ort wird zur Residenz des bubenhofischen Kleinterritoriums. Er soll auch die Hainburg wieder neu aufgebaut haben, obgleich sein Wohnsitz im dörflichen Schloss lag. Die in der Mitte des 16. Jahrhunderts entstandene Zimmersche Chronik führt dazu an: „Anno 1420 darvor wiederum erbawen, war vorhin ein burgstall gewesen“. Nach dem Tode des letzten Bubenhofers in Grosselfingen, Hans Heinrich, verkaufte dessen Bruder, Domherr und Dekan zu Konstanz, die „Homburg, das Schloss und den Schafhof dabei“ im Jahre 1522 an Hans von Weitingen für 7.500 Gulden. Dieser wiederum verkaufte schon 1534 Schloss Hainburg mit Zubehör um 5.300 Goldgulden an Fritz Jakob von Anweil, badischer Landvogt zu Rötteln. 1539 erwarb dann schließlich Jos Niclas I. von Zollern den Besitz Hainburg um 10.460 Gulden. 1656 überließ das fürstlich hohenzollerische Oberamt in Hechingen dem Kriegsveteranen Heinrich dem Dirken die Hainburg als Wohnung.
Spätestens um 1700 war die Hainburg eine unbewohnte Ruine. Es folgte alsbald der Neubau des Hainburghofes (unterer Homburger Hof) im Bereich der ehemaligen Vorburg unter Verwendung von Baumaterial der Burg. 1974 erwarb der freie Architekt Werner Konrad Hahn Burg und Hofgut und um 1980 herum erfolgte eine grundlegende Bestandsicherung der Ruine.
Zwei tief eingeschnittene Quellbäche des zur Eyach führenden Sägentales begrenzen mit ihren schluchtartigen Steilhängen drei Seiten des Burgplatzes. Zur flachen Bergseite hin sperrt ein 6 Meter tiefer und etwa 35 Meter langer Halsgraben (C) den einzig möglichen Zugang. Zwischen Halsgraben und Spornspitze können zwei Bereiche unterschieden werden: Die am Graben aufgebaute Kernburg mit Schildmauer (A) und die im Schutze der Kernburg am Spornende auf einer Terrasse liegende Untere Burg (B). Schuttriegel und Reste von Kernmauerwerk (11) zeichnen den Mauerverlauf der Unteren Burg an der Hangkante nach. An der Grabenkante steht die am Tor noch um 8 Meter hoch aufragende Ruine der Schildmauer (1). Mit den angrenzenden Schuttriegeln und Mauerresten (8) der polygonalen Umfassungsmauer (9) wird die ehemals überbaute Fläche von 23 mal 32 Metern begrenzt.
Günter Schmitt
Am noch vorhandenen Baubestand lassen sich unterschiedliche Bauphasen erkennen: Buckelquader an der westlichen Schildmauerecke (3), lagerhaftes, grob hammerrecht bearbeitetes Kleinquadermauerwerk an der daran weiterführenden Schildmauer mit eingestreuten Quadern und grobes Quadermauerwerk an der südwestlichen Umfassungsmauer (8) sind wohl nicht zeitgleich entstanden. Vermutlich ist die Schildmauer am Torbereich der jüngere Bauteil mit wiederverwendetem Steinmaterial. Die Schildmauer ist 3 Meter stark, 19 Meter lang, an der Nordwestecke 13 Meter und am Tor 8 Meter hoch. Durch den östlichen Bereich führt das 2,65 Meter breite und 4,80 Meter hohe Burgtor mit flachem, spitzbogigem Gewölbe aus Quadern mit Zangenlöchern (2). Eine Balkenriegelöffnung ist Indiz für den Verschluss mit Torflügeln. Vom vorgelagerten Brückenkopf (6) kann eine feststehende Holzbrücke als Zugang von der Vorburg zur Kernburg angenommen werden. Bauhistorisch von Interesse sind die Buckelquaderverblendungen aus Sandstein (3). Die kissenförmigen Buckel mit rechteckigen und runden Zangenlöchern sind sorgfältig bearbeitet. Von der 1523 genannten Kapelle der Hainburg ist nichts erhalten. Die Unterburg reicht weit ins Tal hinunter, und schließt mit einem nur partiell erhaltenen Mauerzug an der Südseite der Burg an den Halsgraben an.
(Dr. Christoph Morrissey)
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Theodor Zingeler/Wilhelm Friedrich Laur, Die Bau- und Kunst-Denkmaeler in den Hohenzollern'schen Landen, Stuttgart 1896, Seite 113-115 (mit Plan).
Karl Theodor Zingeler/Georg Buck, Zollerische Schloesser, Burgen und Burgruinen in Schwaben, Berlin 1906, Seite 85-87.
Friedrich Hossfeld/Willy Baur (Bearbeiter), Kreis Hechingen (Die Kunstdenkmäler Hohenzollerns 1), Hechingen, 1939, Seite 96-99 mit Abbildung 193.
Zimmersche Chronik. herausgegeben von Paul Herrmann, Meersburg/Leipzig 1947, Band 2, Seite 456.
Michael Walter, Aus der Geschichte der Hainburg bei Grosselfingen, in: Blätter des Schwäbischen Albvereins 60.2 (1954), Seite 30-32.
Johann Adam Kraus, Von der Hainburg und ihrer Kapelle, in: Hohenzollerische Heimat 25 (1975), Seite 24-26.
Stefan Uhl, Buckelquader an Burgen der Schwäbischen Alb, in: Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte 26/113 (1990), Seite 27-108, 73.
Casimir Bumiller, Die Herren von Bubenhofen und die Herrschaft Haimburg, in: Monika Schwedhelm (Redaktion), Grosselfingen, ein Rundgang durch die Geschichte der Gemeinde 1296-1996, Grosselfingen 1995, 21-35.
Günter Schmitt, Burgen, Schlösser und Ruinen im Zollernalbkreis (Zollernalb-Profile Band 3, Schriftenreihe des Zollernalbkreises) Ostfildern 2007, Seite 190-194.
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1200 bis 1300
Ruine
Vergessene Burgen
nicht zugänglich
Hainburg - Grosselfingen
Georeferenzierung:
48.333464, 8.856819
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