Azilun

Hausen im Killertal (Burladingen) Landkreis Zollernalbkreis Schwäbische Alb 884 Meter Höhe
Die frei zugängliche Burgstelle Azilun liegt 2,65 Kilometer nordwestlich der Friedhofskirche in Burladingen und 1,8 Kilometer nordöstlich der Kirche von Hausen im Killertal auf dem markanten Hausener Kapf. Über den auffallend breiten Talwannen des Fehla- und des Tiefentals erhebt sich an deren nordwestlicher Seite der langgezogene Obere Berg mit dem Kapf an seiner östlichen Spitze. Auf dieser felsigen Kuppe, in sehr aussichtsreicher Lage, liegen die Reste der wohl um 1100 errichteten mittelalterlichen Adelsburg Azilun sowie am nordöstlichen Hang, die Burgstelle einschließend, die Wälle und Böschungen einer allem Anschein nach vorgeschichtlichen, wahrscheinlich urnenfelderzeitlichen Befestigung. Am Ortsende von Burladingen Richtung Hechingen zweigt eine Straße in nördlicher Richtung zum Sportgelände im Tiefental ab. Man folgt dem Weg bis zum Ende der Wacholderheide am Waldrand und steigt weglos zur Burgstelle auf.

Burg Azilun dürfte den geborgenen Keramikscherben zufolge im frühen 12. Jahrhundert gegründet worden sein. Die mittelalterliche Burg entstand wohl im Bereich einer vorgeschichtlichen Siedlung der Urnenfelder- und frühen Hallstattzeit. Aus dieser Zeit stammt vielleicht der weitläufige Wall am Nordhang.

1138 erfolgte die erste bekannte, indirekte Erwähnung der Burg Azilun in der von Mönch Bertold verfassten Zwiefalter Chronik. Otto von Urach und seine Frau Tuticha schenkten dem Kloster Zwiefalten eine halbe Hufe Land in Burladingen. Vermutlich stammte das Land aus dem Heiratsgut der Tuticha und gehörte möglicherweise zur Hälfte ihrem Bruder Konrad von Azilun. Dieser verweigerte nämlich die Schenkung und brachte im anschließenden Erbstreit die Hälfte aus dem Besitz seiner Schwester an sich. Mitte des 13. Jahrhunderts ist die Aufgabe der Burg als Wohnsitz anzunehmen.

Die Burg umfasst eine Kernanlage auf dem felsigen Plateau, der nach Süden eine um gut 10 Meter tiefer gelegene, große und sicher künstlich planierte Terrasse vorgelagert ist (2), zusätzlich abgetrennt durch einen Graben. Nach Norden hin sichert im abfallenden Gelände eine dreifache Staffel aus Gräben, Wällen und Böschungen das hier knapp 5 Meter hoch herausragende Plateau, bevor die zungenförmige Vorburg anschließt. Deren randlichen Steinwälle entlang der Hangkanten sind vermutlich Reste einer ehemaligen Mauer.

Azilun lag als Gipfelburg auf dem süd-nord gerichteten Hausener Kapf. Nach drei Seiten fällt das Gelände steil ab. Zur Nordseite bildet ein tiefer liegender Sattel die Verbindung zum Oberen Berg. Der längsovale, 150 mal 20 Meter große Bereich ist terrassenartig in vier Abschnitte gegliedert. Hinter einem in Kehren aufgezogenen, rampenartigen Anstieg mit Resten vielleicht vorgeschichtlicher Wälle (14) folgt über den Sattel der untere Abschnitt (2). Steinriegel begrenzen auf drei Seiten die Hangkanten und dürften zumindest überwiegend auf Mauerzüge zurückgehen. Ihm folgt über eine hohe Geländestufe der nächste Abschnitt (3). Er wird durch Felsen begrenzt und endet mit einer breiten Felsrippe am nördlichen schräg verlaufenden Abschnittsgraben (10). Beide Bereiche gehören zur mittelalterlichen Burganlage und können als Vorburg gelten.

Plan der Burgstelle auf dem Azilun (Günter Schmitt).
© Kreisarchiv Zollernalbkreis, Günter Schmitt, Alle Rechte vorbehalten

Günter Schmitt

Die eigentliche Kernburg (1) liegt auf einem von steilen Felsen gefassten Plateau mit polygonalem Umriss (circa 30 mal 25 Meter). Reste von Kernmauerwerk mit Mörtelspuren (5) und ein kurzes Stück von Verblendmauerwerk kennzeichnen den äußeren Abschluss der Anlage. Diese Bebauungsspuren sind ausschließlich mittelalterlichen Ursprungs. Durch einen Felssturz 1986 an der Ostseite wurde die Burgfläche geringfügig verkleinert.

Am Fuß des südlichen Burgfelsens liegt ein weiterer Abschnittsgraben (9). Er begrenzt mit den anschließenden Hangkanten eine dreieckige Fläche (circa 18 mal 35 Meter), die etwa 9 Meter unterhalb der Kernburg liegt. Bebauungsspuren sind nicht zu erkennen.

(Dr. Christoph Morrissey)

Logo Geopark Schwäbische Alb.
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Die hohe Dichte an Burgen, Schlössern und Ruinen im Zollernalbkreis steht in engem Zusammenhang mit der besonderen Landschaft des UNESCO Geopark Schwäbische Alb. Ihre Entstehung geht auf die geologische Entwicklung der Region zurück: mächtigen Kalksteinschichten aus der Jurazeit wurden durch Hebung und Erosion zu einer markanten Schichtstufenlandschaft mit Felsen, steilen Hängen und exponierten Anhöhen geformt.

Diese natürlichen Gegebenheiten boten ideale Voraussetzungen für den Burgenbau. Höhenlagen ermöglichten Schutz und Kontrolle zugleich: Steile Flanken erschwerten Angriffe, während die exponierte Lage weite Ausblicke über das Umland eröffnete. Burgen wurden daher gezielt auf Felsen, Bergspornen oder isolierten Kuppen errichtet – häufig in direkter Verbindung mit dem anstehenden Kalkstein.

Ein prägnantes Beispiel ist die Burg Hohenzollern, die weithin sichtbar auf dem Zollerberg thront. Als Zeugenberg dokumentiert er die frühere Ausdehnung der Albtafel nach Nordwesten.  Auch zahlreiche weitere Anlagen im Zollernalbkreis nutzen die topografischen Vorteile der Alb und prägen bis heute das Landschaftsbild.

Die Burgenlandschaft ist damit Ausdruck des engen Zusammenspiels von Geologie und menschlicher Nutzung. Im UNESCO Global Geopark Schwäbische Alb wird dieser Zusammenhang besonders deutlich: Die charakteristischen Felsen und Höhenzüge sind nicht nur landschaftsprägend, sondern auch Grundlage einer jahrhundertealten Bau- und Siedlungsgeschichte.

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Die Stadt Burladingen präsentiert die schönsten Ausflugsziele in und rund um Burladingen.

Johann Adam Kraus, Burgruinen an der Fehla, in: Blätter Schwäbischer Albverein 35 (1933), Seite 10-11.

Johann Adam Kraus, Eine Burg Azilun bei Burladingen?, in: Hohenzollerische Heimat 15 (1965), Seite 31.

E. Grupp, Azilun – eine Burgstelle auf dem Kapf zu Hausen im Killertal, in: Hohenzollerische Heimat 40 (1990), Seite 57-58.

Christoph Bizer, Oberflächenfunde von Burgen der Schwäbischen Alb, ein Beitrag zur Keramik- und Burgenforschung (Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg 26), Stuttgart 2006, Seite 211-215.

Günter Schmitt, Burgen, Schlösser und Ruinen im Zollernalbkreis (Zollernalb-Profile Band 3, Schriftenreihe des Zollernalbkreises) Ostfildern 2007, Seite 136-139 (Plan).

Christoph Morrissey/Dieter Müller, Die Wallanlagen um Burladingen (Zollernalbkreis), (Atlas archäologischer Geländedenkmäler in Baden-Württemberg 2/18) Stuttgart 2007, Seite 27-41 (mit topographischem Plan als Beilage 3).

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Entstehung

1000 bis 1200

Erhaltung

Abgegangene Burgen

Empfehlung

Vergessene Burgen

Besichtigung

frei zugänglich

Karte & Anreise

Anfahrtsbeschreibung

Azilun - Hausen (Burladingen)

Georeferenzierung:
48.303074, 9.088547

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