Ror

Bisingen Landkreis Zollernalbkreis Schwäbische Alb 673 Meter Höhe
Etwa 2,5 Kilometer südlich der Kirche in Bisingen liegt auf einem vor dem Hundsrücken nach Nordwesten vorspringenden, bewaldeten Sporn gut 120 Meter über dem Albvorland die frei zugängliche Burgruine Ror. Die offenbar im späten 12. Jahrhundert gegründete und 1311 zerstörte Burg war Sitz der Walger von Bisingen. Es lassen sich im Wesentlichen drei große Bauphasen erkennen, zuletzt mit einer ummauerten Kernburg und einem großen Wohnbau aus Stein (Palas). Eine Straße führt vom südlichen Ortsrand von Bisingen zum Parkplatz beim Schützenhaus. Man folgt dem Weg Richtung Süden. Nach etwa 1,8 Kilometern mündet er in den Forstweg aus Richtung Engstlatt. In der folgenden zweiten Kehre dem Weg nach links bis zur Hinweistafel Burgruine Ror folgen.

In der ersten Bauphase im späten 12. Jahrhundert wurde ein Wohnbau in Holzbauweise mit Kachelofen errichtet (Phase A), der einen Anbau mit Schmiede aufwies. Nach einem Brand im frühen 13. Jahrhundert wurde ein neuer Wohnbau in Holzbauweise auf Steinschwellen erbaut (Phase B). Nur wenig später erfolgte die Sicherung des Burgplatzes (Kernburg) mit einer umlaufenden Ringmauer. Zeitgleich entstand wahrscheinlich die sogenannte Unterburg, angebunden durch einen zwingerartigen Zugang. Es folgte nun ein neuer Wohnbau (Palas) mit einem massiven Untergeschoss aus Stein und einem Fachwerkobergeschoss, in dem offenbar ein Kachelofen stand (Phase C). Nach einem erneuten Brand wurde der Palas nach der Mitte des 13. Jahrhunderts nun ganz in Steinbauweise neu errichtet. Zuletzt erfolgte die Zerstörung der Burg im Jahr 1311, als im Zuge des Reichskrieges die schwäbischen Reichsstädte gegen Württemberg zogen. Die letzte Burgphase hat einige bemerkenswerte Fundstücke erbracht: glasierte Waren aus der Schweiz und dem Konstanzer Raum sowie Fragmente von Hohlgläsern, die möglicherweise aus Italien stammten. Diese Funde deuten auf eine exklusive Hofhaltung mit gewissem Wohlstand und politischer Bedeutung. Im Jahre 1342 taucht die Burg Ror als Burgstall in den Unterlagen auf. In späterer Zeit wurde sie weitgehend geschliffen, also verwertbares Baumaterial abgebaut.

Ob ein 1189 genannter Truchsess der Zollern mit den ersten Burgherren von Ror in Verbindung zu bringen ist, bleibt unsicher. Historisch wird 1228 und 1229 ein Baldeberts (I.) von Bisingen fassbar, 1255 dann Walger I. von Bisingen. 1289 besaß Walger III. den Ort Bisingen und die Burg Ror als zollerisch-schalksburgisches Lehen. 1307 war er Zeuge für Graf Eberhard II. von Württemberg, als dieser die Burg Stöffeln bei Gönningen auslöste. 1311 zog dann ein Reichsheer unter Führung der Reichsstädte Reutlingen und Eßlingen auch gegen die Burg Ror und zerstörte diese. 1342 starb Walger IV. von Bisingen ohne männliche Nachkommen. Der Burgstall Ror und das Dorf Bisingen gelangten mit allem dazugehörendem Besitz für 500 Pfund an die Grafen von Zollern-Hohenzollern. Zuletzt wird aus einer Verkaufsurkunde des Jahres 1416 ersichtlich, dass zur Burg Ror neben ausgedehnten Wirtschaftsflächen wahrscheinlich auch ein Wirtschaftshof gehörte.

Zwischen 1953–1959 erfolgte die Freilegung von Mauerbereichen und deren bauliche Sicherung durch den Heimatverein Bisingen-Steinhofen. 2004 fand eine Nachuntersuchung durch die Tübinger Denkmalpflege statt.

Auf einem vom Albtrauf nach Nordwesten abfallenden Höhensporn liegen die Reste der frei zugänglichen Burg Ror. Die Anlage ist in drei Bereiche gegliedert: Ein tief eingeschnittener Halsgraben (6) trennt den Vorbereich (8) auf der Hochfläche von der Kernburg (1) und der am Spornende gelegenen Unterburg (16).

Vorbereich 
Mit einer doppelten Graben-Wall-Anlage (9–13) und Berme war der Vorbereich gesichert. Durch Forstarbeiten sind diese Geländemerkmale im bergseitigen Bereich nahezu verebnet. Wall und Graben gehören eher zur mittelalterlichen und nicht, wie oft vermutet, zu einer vorgeschichtlichen Anlage.

Plan der Burg Ror (Günter Schmitt).
© Kreisarchiv Zollernalbkreis, Günter Schmitt, Alle Rechte vorbehalten

Günter Schmitt

Kernburg 
Die etwa 9 Meter tiefer liegende Kernburg umfasst eine dreieckförmige Grundfläche von etwa 25 Metern Breite am Graben und 36 Metern Länge zur Spornspitze hin. Im Zuge von Ausgrabungen konnten die Baulichkeiten der 1311 zerstörten Burg lokalisiert werden. Eine 1,50 Meter starke Umfassungsmauer (Reste, 25) umzog die Spornkante und deren zentrales Bauwerk, den Palas (4). Dieser stand auf trapezförmigem Grundriss und ist auf zwei unterschiedliche Bauphasen zurückzuführen. Im Südwesten trifft die Palasmauer auf die Umfassungsmauer und ist mit dieser bauzeitlich verzahnt. Die Nachgrabungen ergaben einen Neubau infolge einer vorausgegangenen Brandzerstörung. Ob diese im Zusammenhang mit der Zerstörung von 1311 steht, ist fraglich. Wichtigstes Schutzmerkmal der Burg war die 2,40 Meter starke Schildmauer (2). Ihre bis zu 2 Meter hohen Reste stehen am Grabenrand. Fälschlicherweise wurde bei den Instandsetzungsarbeiten das zu sichernde Mauerstück glatt abgemauert, sodass der Eindruck eines Mauerabschlusses entsteht.

Querschnitt durch die Burg Ror (Günter Schmitt).
© Kreisarchiv Zollernalbkreis, Günter Schmitt, Alle Rechte vorbehalten

Günter Schmitt

Unterburg 
Etwa 11 Meter unterhalb der Kernburg liegt am Spornende die Unterburg (16) auf dreieckiger Grundfläche. Sie wird nach Nordwesten durch einen bogenförmigen Graben (17) und Wall (18) begrenzt. Überliefert ist eine Kapelle (23) an der Spornspitze zum Graben.

(Dr. Christoph Morrissey)

Logo Geopark Schwäbische Alb.
© Geopark Schwäbische Alb, Alle Rechte vorbehalten

Die hohe Dichte an Burgen, Schlössern und Ruinen im Zollernalbkreis steht in engem Zusammenhang mit der besonderen Landschaft des UNESCO Geopark Schwäbische Alb. Ihre Entstehung geht auf die geologische Entwicklung der Region zurück: mächtigen Kalksteinschichten aus der Jurazeit wurden durch Hebung und Erosion zu einer markanten Schichtstufenlandschaft mit Felsen, steilen Hängen und exponierten Anhöhen geformt.

Diese natürlichen Gegebenheiten boten ideale Voraussetzungen für den Burgenbau. Höhenlagen ermöglichten Schutz und Kontrolle zugleich: Steile Flanken erschwerten Angriffe, während die exponierte Lage weite Ausblicke über das Umland eröffnete. Burgen wurden daher gezielt auf Felsen, Bergspornen oder isolierten Kuppen errichtet – häufig in direkter Verbindung mit dem anstehenden Kalkstein.

Ein prägnantes Beispiel ist die Burg Hohenzollern, die weithin sichtbar auf dem Zollerberg thront. Als Zeugenberg dokumentiert er die frühere Ausdehnung der Albtafel nach Nordwesten.  Auch zahlreiche weitere Anlagen im Zollernalbkreis nutzen die topografischen Vorteile der Alb und prägen bis heute das Landschaftsbild.

Die Burgenlandschaft ist damit Ausdruck des engen Zusammenspiels von Geologie und menschlicher Nutzung. Im UNESCO Global Geopark Schwäbische Alb wird dieser Zusammenhang besonders deutlich: Die charakteristischen Felsen und Höhenzüge sind nicht nur landschaftsprägend, sondern auch Grundlage einer jahrhundertealten Bau- und Siedlungsgeschichte.

Der Wanderweg Rundweg Burgruine Ror führt durch die abwechslungsreiche Landschaft rund um Bisingen und verbindet diese mit der Geschichte der Burgruine Ror.

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Die Gemeinde Bisingen präsentiert abwechlungsreiche Wanderungen und viele weitere Ausflugsziele.

Friedrich Hossfeld/Willy Baur (Bearbeiter), Kreis Hechingen (Die Kunstdenkmäler Hohenzollerns 1), Hechingen, 1939, Seite 42-43.

H. Buhl, J. Knaus, Die Grund- und Ortsherren von Bisingen, in: Heimatbuch der Gemeinde Bisingen-Steinhofen, bearbeitet von H. Buhl und J. Knaus, Bisingen 1953, Seite 44-45.

Wachendorfer, Ausgrabungen bei der ehemaligen Burg Ror bei Bisingen, in: Hohenzollerische Heimat 15 (1965), Seite 9.

Casimir Bumiller, Die Herren von Bisingen, in: 1200 Jahre Bisingen: 786–1986, Bisingen 1987, Seite 24-34.

Casimir Bumiller, Studien zur Sozialgeschichte der Grafschaft Zollern im Spätmittelalter (Arbeiten zur Landeskunde Hohenzollerns 14), Sigmaringen 1990, Seite 30-31, 56-60, 63-64.

Erhard Schmidt, Nachgrabungen auf dem Burgstall Ror auf Gemarkung Bisingen, Zollernalbkreis, in: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2004, Seite 267-270.

Günter Schmitt, Burgen, Schlösser und Ruinen im Zollernalbkreis (Zollernalb-Profile Band 3, Schriftenreihe des Zollernalbkreises) Ostfildern 2007, Seite 101-104 (Plan).

Casimir Bumiller, Adel und Burgen am oberen Neckar, in: Bernhard Rüth/Dorothee Ade/Cajetan Schaub (Herausgeber), Adelssitze zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb, Stuttgart 2014, Seite 12-29.

Dorothee Ade/Andreas Willmy, Burgenarchäologie zwischen Begeisterung und spröder Wissenschaft, in: Bernhard Rüth/Dorothee Ade/Cajetan Schaub (Herausgeber), Adelssitze zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb, Stuttgart 2014, Seite 72-87, besonders 80-81.

Sören Frommer, Burgstall Ror, Die Geschichte einer Truchsessenburg in bewegter Zeit (Heimatverein Bisingen-Steinhofen), Bisingen 2015.

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Entstehung

1200 bis 1300

Erhaltung

Abgegangene Burgen

Empfehlung

Vergessene Burgen

Besichtigung

frei zugänglich

Karte & Anreise

Anfahrtsbeschreibung

Ror - Bisingen

Georeferenzierung:
48.287267, 8.913591

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