Hohenerpfingen

Erpfingen (Gemeinde Sonnenbühl) Landkreis Reutlingen Schwäbische Alb 785 Meter Höhe
Burg Schnatren, häufig auch Hohenerpfingen genannt, liegt auf einem steilen Burgfelsen hoch über einer Ecke des Erpftals. Von der im 12. Jahrhundert errichteten Burg haben sich aus dem Fels gearbeitete Burggräben und hochaufragende Mauerteile der Kernburg erhalten. Unterhalb im Dorf Erpfingen lag an der Position des heutigen Pfarrhauses eine weitere Burganlage, von der jedoch nichts mehr erhalten ist.

Über die ursprünglichen Burgherren ist wenig bekannt. Archäologischen Funden zufolge ist die Errichtung der Burg in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts anzusetzen. 1304 wird mit Christine von Erpfingen, wohl die letzte ihrer Familie, die zu dieser Zeit Nonne im Kloster Stetten war, einmalig auf der Burg ansässiger ursprünglicher Ortsadel greifbar. Weitere Nennungen liegen nicht vor. Die Burg selbst wird erst 1358 explizit genannt. Damals war sie im Besitz des Heinz von Salmendingen, der sie wohl von den um 1340 genannten Schenken von Erpfingen erhalten hatte. Burg Schnatren dagegen blieb zunächst im Besitz der Herren von Salmendingen, auch als Heinz von Salmendingen im April 1358 alle seine Güter zu Erpfingen an Fritz Remp von Pfullingen verkaufte. Ausgenommen von diesem Verkauf waren ausdrücklich die Burg Schnatren und der darunter gelegene Wald. Erst knapp dreißig Jahre danach, im Jahr 1385, wurde dann auch die Burg selbst durch Anna von Salmendingen beziehungsweise ihren Gemahl Heinrich der Pfender an den Pfullinger verkauft. Mit der jetzt als „Burgstall“ bezeichneten Anlage, also einer offenbar nicht mehr bewohnten Burg, wechselten weitere Güter und Eigenleute zu Erpfingen den Besitzer. Von Caspar Remp von Pfullingen erwarb die Ruine Hohenerpfingen schließlich 1487 das Haus Württemberg. Wenn Ende des 16. Jahrhunderts im Seebuch des Jakob Ramminger der unterhalb der Burg gelegene Fischweiher verzeichnet ist, so findet auch der Adelssitz selbst nochmals Erwähnung, wenn es dort heißt „Schnatren auch ein alt Burgstall“. Um 1800 befand sich die Burgruine dann im Besitz der Gemeinde Erpfingen. Diese verkaufte 1839 „den altertümlichen Turm in dem hiesigen Gemeindewald Schloßhalde nebst der nächsten Umgebung von 1 bis 2 Morgen Platz…“ an Graf Wilhelm von Württemberg. Dieser hatte dort ähnlich wie am Lichtenstein die Neuerrichtung einer romantischen Ritterburg geplant, wozu es aber nie kam. Zu dieser Zeit wird die Ruine beschrieben als ein sechseckiger Turm, von dem noch 3 Wände 12 m hoch erhalten waren. 1985 fanden schließlich unter dem Architekten Rudolf Brändle umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen statt, denen die Ruine ihr heutiges Erscheinungsbild verdankt.

Grundriss der Burgstelle.
© Kreisarchiv Reutlingen; Günter Schmitt, Alle Rechte vorbehalten

Die auf einem steil abfallenden Burgfelsen errichtete Burg wurde durch einen tiefen Halsgraben von der Hochfläche abgeschnitten. Vor dem Graben lag auf einem nach Norden ebenfalls steil abfallenden Felsplateau eine Art Vorburg. Eindeutige Bauspuren oder Reste einer Befestigung sind in diesem bergseitig von einem weiteren Graben umzogenen Areal obertägig nicht erkennbar. Wahrscheinlich diente es einst der Aufnahme leichter Ökonomiebauten. Auf dem Kernburgfelsen erhebt sich der Rest einer etwa 11 Meter hohen schildmauerartigen Konstruktion aus Bruchsteinmauerwerk mit einer Mauerstärke von 1,4 bis 2 Meter, die Teil eines wohnturmartigen Hauptgebäudes war. Das dreigeschossige Turmhaus verfügte über ein massiv ausgeführtes Erdgeschoss, während der obere, dem Tal zugewandte Teil wohl in Holz- oder Fachwerkbauweise ausgeführt war. Im oberen Teil verweisen schräg angesetzte Balkenlöcher auf den Ansatz der Dachsparren. Der Zugang erfolgte über eine nach Osten ausgerichtete Toröffnung. Der noch um 1900 als „gotische Pforte“ beschriebene Durchgang wurde im Zuge der Sanierung der Ruine erneuert und erhielt Sturz und Leibung. Eine ausführliche Bauuntersuchung fand an dem stark sanierten Mauerwerk der Burg bislang nicht statt. Möglicherweise könnte eine eckige Balkenöffnung oberhalb des Tors auf eine Zugangskonstruktion oder eine Zugbrücke hindeuten. Im heute nicht zugänglichen Inneren des Turmhauses zeigen horizontal liegende Balkenlochreihen die Position der ehemaligen Stockwerke an. Im Erdgeschoss findet sich ein kleines Rundbogenfenster. Darüber hinaus sind wenige Öffnungen innerhalb des gegen die Angriffsseite wehrhaft ausgeführten Mauerwerks vorhanden. Rund 15 m tiefer ist nördlich der Kernburg ein künstlich verebnetes Plateau zu erkennen. Dort finden sich Mauerreste sowie eine Art Grube, bei der es sich um den Rest eines Kellers eines größeren Gebäudes handeln könnte.

Autor: Michael Kienzle




Christoph Bizer, Oberflächenfunde von Burgen der Schwäbischen Alb. Ein Beitrag zur Keramik- und Burgenforschung, Stuttgart 2006, S. 147-148.

Christoph Bizer/Rudolf Brändle/Rolf Götz/Emil Schweikhardt, Erpfinger Burgen und ihre Geschichte, Sonnenbühl 1987, S. 49-73.

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Der Landkreis Reutlingen. Amtliche Kreisbeschreibung, hrsg. von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Reutlingen, Band 2, Sigmaringen 1997, S. 741-743.

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Günter Schmitt, Kaiserberge, Adelssitze. Die Burgen, Schlösser, Festungen und Ruinen der Schwäbischen Alb, Biberach 2014, S. 93.

Günther Schmitt, Burgenführer Schwäbische Alb, Band 5, Biberach 1993, S. 35-42.


Entstehung

1000 bis 1200

Erhaltung

Ruine

Besichtigung

frei zugänglich

Karte & Anreise